my basic german word.

das durchschnittsalter derer, die an der internationalen sommerakademie teilnehmen, liegt schätzungsweise irgendwo zwischen 21 und 24. „da sind bestimmt auch ganz viele auf instagram am start“, sagte tanja zu mir, als ich ihr von dem gedanken erzählte, einen speziellen instawalk anzubieten. und tatsächlich sind sieben menschen aufgetaucht, dem plötzlich einsetzenden regen trotzend, um sich mit mir auf die suche nach #basicgermanwords im mannheimer stadtbild zu machen. (die suche war nicht sehr ergiebig, weil sich die studis lieber selbst fotografierten. macht aber auch nichts; wir sind ja flexibel und spontan. nach einem vormittag voller grammatik und neuem wortschatz kann ich verstehen, dass mein didaktisches Vorhaben auf weniger begeisterung stößt als anfangs angenommen.) weil ich martins porträtreihe mit dem namen #mybasicgermanword sehr toll finde (martin ist gleichzeitig auch initiator von #basicgermanwords auf instagram), habe ich die gelegenheit genutzt und die studenten und studentinnen nach ihren liebsten deutschen wörtern gefragt. (an dieser stelle ein großes dankeschön fürs mitmachen!)

hier die ergebnisse:

yağmur kommt aus der türkischen stadt izmir und ist eine der 360 studentinnen und studenten, die im august an der universität mannheim deutsch lernten bzw. ihr vorwissen über die deutsche sprache ausbauen wollten. ihr liebstes wort ist ’nullachtfünfzehn‘, weil es eines dieser wörter ist, dessen bedeutung man nicht an der oberfläche ablesen kann. im unterricht hat sie gelernt, dass ’nullachtfünfzehn‘ keineswegs nur eine bloße aneinanderreihung von zahlen darstellt, sondern adjektivisch gebraucht etwas abwertend als ’nichts besonderes, langweilig oder unspektakulär‘ beschreibt. „der wortursprung lässt sich ins frühe zwanzigste jahrhundert zurückverfolgen – genauer gesagt bis zum ersten weltkrieg, als deutsche soldaten mit waffen der modellnummer 08/15 ausgestattet wurden, die in massenproduktion hergestellt und von minderer qualität waren. nichts besonderes eben“, erläutert yağmur.

bobojon kommt aus istarawschan, einer stadt im norden tadschikistans. während unseres fotowalks war er der zuverlässigste assistent, den ich mir hätte wünschen können. generell ist bobojon stets ein perfekter gentleman. trifft man ihn zum ersten mal, bemerkt man sofort, dass er ein großes herz hat. sehr passend, also, dass ‚herz‘ auch gleichzeitig sein liebstes deutsches wort ist. bobojon sagt: „ohne herz kann man nicht leben, aber mit herz kann man immer lieben.“ schön gesagt!

mihriban aus der türkischen hafenstadt mersin mag alles, was bunt ist, und hat aus allen #basicgermanwords ‚regenbogen‘ als ihren favoriten herausgepickt. auf alle fälle hat sich mihriban mit mannheim eine sehr bunte stadt ausgesucht: menschen aus 170 nationen leben hier.

xingxing aus shanghai arbeitet als tv-journalist für den chinesischen sender cctv. sein liebstes deutsches wort lautet ‚kinder‘: „ich benehme mich meistens selbst wie eins“, sagt er mit einem fetten grinsen. wenn es um etwas spaßiges geht, ist xingxing immer mit von der partie. vor ein paar wochen war er für ein wochenende in paris, „aber in mannheim ist es viel schöner“, meint er. (das höre ich zum ersten mal, ha!)

muhsin aus chudschand, einer der ältesten städte zentralasiens, braucht etwas bedenkzeit, bevor er sich für ein wort entscheidet. ‚teufelsbrücke‘ wird es am ende. die teufelsbrücke ist die älteste (stehende) der mannheimer brücken und wurde als drehbrücke 1874 über den verbindungskanal, der den stadtteil jungbusch vom mühlauhafen trennt, gebaut. wenn man ganz genau hinschaut, kann man an den geländern immer noch die schönen jugendstil-ornamente sehen.

das schöne, anderen menschen beim sprachenlernen zuzuschauen, ist mitunter, dass man als muttersprachler auf ausdrucks- und verhaltensweisen aufmerksam gemacht wird, die einem sonst nicht auffallen würden (eben weil man muttersprachler ist und sprache intuitiv und weitestgehend automatisiert ablaufend verwendet). wo wir auch schon bei hannah aus exeter wären, deren lieblingswort ‚genau‘ ist. ein sehr vielseitiges wort, das wir nicht nur dazu gebrauchen, um etwas als ‚exakt‘ zu beschreiben, sondern auch (und vor allem in der gesprochenen sprache) als eine diskurspartikel benutzen, um beispielsweise verzögerungen zu überbrücken oder unsere interaktionen zu strukturieren und zu steuern. achtet da mal drauf, wenn ihr das nächste mal jemandem bei einer präsentation zuhört.

abdullah studiert jura in ankara und freut sich schon sehr auf die kommenden zwölf monate, während der er an der universität mannheim studieren wird. sein liebstes wort: ’schadenfreude‘. er sagt: „ich glaube es gibt niemanden, der noch nie schadenfreude verspürt hat. es ist halt einfach ein sehr menschliches gefühl. wenn ich an mein heimatland denke, macht mich schadenfreude aber auch traurig. im moment sorgt der terrorismus in der dortigen region für viele probleme. und die meisten menschen freut es sehr, wenn diejenigen, die sie als feind betrachten, zu schaden kommen. menschen sterben. eine zukunft ohne gewalt, tod und zerstörung ist aber nur möglich, wenn wir uns bewusst machen, dass auf beiden seiten menschen ihre leben verlieren. wir müssen miteinander reden und uns nicht gegenseitig umbringen.“

clare aus sydney weiß ihr liebstes deutsches wort sofort: „nudelauflauf!“, ruft sie mir strahlend entgegen. „das klingt so schön. und auch sehr, sehr deutsch“, findet sie.

lila aus hongkong heißt eigentlich gar nicht lila. trotzdem nennt ihn jeder so, weil er immer etwas lilanes trägt. seine lieblingsfarbe ist es mittlerweile auch: „bei uns steht rot für temperament und leidenschaft, blau für logisches denken und innere ruhe. als mischung aus beiden farben passt lila perfekt zu meinem charakter“, erklärt mir lila. sein liebstes deutsches wort lautet ’schatzi‘. „meine schwester hat mir mal vom oktoberfest ein lied geschickt, das heißt ’schatzi, schenk mir ein foto‚. ein super lied, um flirtsprüche auf deutsch zu lernen!“, lacht lila. „in hongkong kann niemand deutsch. meine freundin und ich nennen uns deshalb gegenseitig schatzi. es ist unser geheimes code-wort.“

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