monet in frankfurt.

mein neumodisches hobby instagram führte mich im april nach frankfurt am main. die frankfurter gang um martin und stefanie hatte in kooperation mit dem städel museum ein einzigartiges event für 25 menschen aus dem internet auf die beine gestellt, das den thematischen fokus auf monet und die geburt des impressionismus gesetzt hatte. genau so heißt nämlich auch die große (und bis zum 28. juni 2015 verlängerte) sonderaustellung, die frankfurt gerade zum impressionistischen zentrum der welt macht. dass auch ich an dem event teilnehmen durfte, hat mich in besonderem maße gefreut, denn seit diesem einen seminar über amerikanische kunst im freiburger bachelorstudium kann ich mir mich als kunsthistorikerin in einem paralleluniversum sehr gut vorstellen. ich hatte mich trotz allem noch nie wirklich intensiv mit der impressionistischen kunst auseinandergesetzt, also war diese einladung geradezu prädestiniert. außerdem konnte ich mit einem ausflug nach hessen gleich zwei fliegen mit einer klappe schlagen und m. besuchen, die seit anfang des jahres in frankfurt weilte.

käffchen und kuchen am mainufer mit m. (obligatorisches lebensmittelfoto. aus gründen, und so.)

käffchen und kuchen am mainufer mit m. (obligatorisches lebensmittelfoto. aus gründen, und so.)

m. setzte mich nach einem gemeinsamen nachmittag wieder am hauptbahnhof ab, wo ich mich am frühen abend mit den frankfurter igers sowie mit drei damen vom städel und pascal, einem jungen kunstvermittler, traf. und, mann oh mann, kunst vermitteln kann pascal wirklich! er hat uns nicht nur spannend und anschaulich erklärt, was es mit monet und dem impressionismus auf sich hat, er hat uns auch (im wahrsten sinne des wortes) da abgeholt, wo wir standen, und unterhaltsam und gekonnt immer wieder den bezug zum web 2.0 und zu instagram hergestellt. nach kurzen kunsthistorischen einführungen von pascal bekamen wir die aufgabe aufgetragen, so zu fotografieren, wie monet und die impressionisten gemalt hatten. ob eine derartige umsetzung überhaupt möglich war, wussten alle – inklusive pascal – anfangs nicht. einen versuch war es trotzdem wert. alla hopp.

wir schwärmten also aus und erkundeten den frankfurter hauptbahnhof, denn monet hat nicht nur pastellige seerosen gemalt, sondern auch urbane landschaften festgehalten. licht und schatten interessierten ihn. und, ganz im impressionistischen sinne, das darzustellen, was sich zwischen dem künstler und dem objekt befindet: die atmosphäre. den frankfurter bahnhof hat monet nicht auf einer leinwand festgehalten, aber beispielsweise den von saint-lazare. bahnhöfe waren damals nicht nur tore zu den außerordentlich schnell wachsenden städten, sondern auch orte, an denen man den fortschritt mit eigenen augen bestaunen konnte. man löste vielleicht ein ticket und gehörte somit der priviligierten in-group an, die sich einen fahrschein in die natur leisten konnte, man flanierte die bahngleise entlang, wollte sehen und gesehen werden. der frankfurter bahnhof war zu monets zeiten (und bis zum bau des leipziger pendants) der größte bahnhof europas – und damals wie heute, so späßelte jedenfalls pascal, die bühne für „eine freak-show“.

die breite kaiserstraße, die als ehemalig exklusivste straße frankfurts an die französischen boulevards erinnert haben musste, steht heute ganz unter dem zeichen old meets new. elemente aus dem art nouveau, in dessen stil auch der bahnhof gebaut ist, lassen sich in der architektur der gebäude wiederfinden, hinter denen gigantische, verspiegelte wolkenkratzer hervorragen. die beschleunigung des modernen lebens ließ sich hier ebenfalls an vorbeihetzenden menschen beobachten. manche hatten es so eilig, dass man sie auf den bildern nur noch als verschwommene gestalten wahrnimmt.

der nächste halt führte uns an den main, genauer nach nizza. richtig gelesen, wie das nizza in frankreich! in frankfurt besteht es aus einem park, in dem es wunderbar blumig duftet und blüht, und der zum lustwandeln und verweilen einlädt. danke, mediterranes mikroklima! hier näherten wir uns den bildern monets, die der ottonormalverbraucher wohl am ehesten kennt: denen aus giverny. das spiel von licht und schatten, vor allem in form von reflektionen, galt es auch hier einzufangen.

einmal über den holbeinsteg geschlendert waren wir quasi auch schon am städel angelangt, wo wir nach kassenschluss von pascal durch die leere ausstellung geführt wurden. ein wirkliches privileg, zumal das städel, wie pascal uns erzählte, eine besucherquote von ungefähr 4000 personen am tag hat. und wir durften zusätzlich sogar noch in der ausstellung fotografieren! das darf sonst niemand. es war unglaublich toll, die mir nur aus büchern bekannten kunstwerke von monet, degas, courbet und konsorten endlich auch einmal „live“ zu erleben und obendrauf sogar noch von pascal „vermittelt“ zu bekommen. spätestens als ich vor dem gemälde von mary cassatt stand und mich an meinen kunstgeschichtskurs erinnerte, hatte sich der kreis geschlossen (mrs walker! many greetings! this is oil on canvas! completed in 1880! [i’d love to say i still remembered these facts. i didn’t. thanks anyway, mrs walker, for having jumpstarted my love for art.])

aber das tüpfelchen auf dem i? die beiden werke, welche die geburt des impressionismus darstellen, nebeneinander zu sehen. zum einen „das mittagessen„: im besitz des städels, lebensgroß und mit trivialem inhalt, ein affront gegen die etablierte kunstwelt und den pariser salon. zum anderen „la grenouillère„: wird vom metropolitan museum of art eigentlich nie verliehen, wurde aber dennoch für viele, viele, viele euro von new york extra für die ausstellung nach frankfurt gebracht. (ein tolles geburtstagsgeschenk zum 200sten!) nicht das zentrum des bildes ist hier wichtig. vielmehr liegt der fokus auf den reflektionen im wasser. den „verlust der mitte“ nennt pascal das. was von bedeutung ist: nicht die realität selbst, sondern ihre spiegelung.

monet, ey.

the original hipster.

filtert die realität genauso wie wir instagramer, wenn wir bilder hochladen.

die anschließende party namens club monet, für die das städel seine türen wieder öffnete, habe ich nur kurz bei einer apfelschorle genießen können – der zug zurück nach mannheim wartete auf mich.

herzlichen dank an pascal, das team vom städel, und die frankfurter igers für das einmalige erlebnis! ich zehre jetzt noch von den impressionen (ha!), und den wunderbaren begegnungen mit orten, gebäuden, kunstwerken und menschen.

[alle bilder dieses instameets sind zu sehen unter #igersfrankfurt_staedel. einen weiteren bericht findet ihr außerdem auch auf dem blog des städelmuseums.]

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